Donnerstag, 12.12.2019 11:01 Uhr

Das "Digitale-Versorgung-Gesetz" - eine Weltneuheit

Verantwortlicher Autor: Dieter Kurth Berlin, 10.11.2019, 18:36 Uhr
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...endlich wird alles viel einfacher und schneller
...endlich wird alles viel einfacher und schneller  Bild: Riesenberg

Berlin [ENA] Endlich ist es soweit. Mit den Stimmen der Großen Koalition wurde vor wenigen Tagen das sogenannte "Digitale-Versorgung-Gesetz" im Bundestag verabschiedet. Der Gesundheitsminister verkündete die Gesetzesvorlage als "Weltneuheit". Klang wie der Vortrag einer Werbeagentur zur Markteinführung.

Die Einführung einer "elektronischen Patientenakte" hat aber eine sehr lange Vorgeschichte, sodass die Euphorie über den Beschluss einer "Weltneuheit" nur dann glaubwürdig bleibt, wenn die nun kommende Durchsetzung mit etwas mehr Tempo als bisher erfolgt. Immerhin sind seit der Planung mehr als 15 Jahre vergangen und die Qualität des sich in der Durchsetzung befindenden IT-Prozesses muss sich erst einmal bewähren. Die Ausführungen des Gesundheitsministers Spahn klangen jedoch irgendwie so, als wäre die technische Durchsetzung mit wenigen Abstrichen bereits ein großer Erfolg. Allerdings war vom Minister in seiner ausführlichen Erläuterung kein nennenswertes Wort zur Kritik seitens der Ärzteschaft zu hören.

Die Anzahl der Ärzte, die sich bisher der IT-Anbindung verweigern, ist nicht gerade gering. Selbst die zu erwartenden Repressalien, wie z.B. Honorarkürzungen, verfehlen anscheinend bisher ihre beabsichtigte Wirkung. Musterklagen gegen das restriktive Vorgehen sind bereits in Vorbereitung. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe, die aber bei genauerem Hinsehen durchaus plausibel erscheinen. Abgesehen von den immer noch besehenden Sicherheitsbedenken (bisher gab es auf der ganzen Welt noch kein IT-System, welches nicht im Laufe seines Betriebes Fehler offenbarte), werden die Kosten mehr oder weniger pauschaliert erstattet. Für viele Arztpraxen ein inakzeptables Vorgehen.

Weiterhin gibt es ganz objektive Schwierigkeiten bei der geplanten Umsetzung. Es gibt besonders in ländlichen Gebieten Probleme mit schnellem Internet. Die "Einspeisevorrichtungen" für den Datenverkehr - die sogenannten Kollektoren- zeigen, wenn man den Fachleuten Glauben schenken darf, diverse Schwachstellen. Da es Jahre gedauert hat, bis die ersten akzeptierten Kollektoren auf den Markt kamen, wird es sicher nicht so bald eine Neuauflage geben. Aber auch hier kann man sich irren. In der Phase der Krankenversichertenkarten gab es schließlich auch mehrere Generationen, die die Vorgängergeneration wertlos machte und zu teurem Elektronikschrott degradierte. Gut für Industrie und Programmentwickler - schlecht für Ärzte und Umwelt.

Irgendwie klingt selbst für den medizinischen Laien das viel gepriesene Gesetz recht abenteuerlich. Ärzte sollen demnach ihren Patienten Gesundheits-Apps verschreiben können, wenn diese einen nachweisbaren Nutzen für den Patienten haben. Wie das so alles abläuft, wer die Kosten wie erstattet und vor allem den Nutzwert berechnet, wird noch geklärt - ist ja schließlich eine Weltneuheit. Dass die Patienten die Gesundheitsüberwachung per App ohne Vorurteil annehmen werden, mag ich aus eigener Erfahrung bezweifeln. Nun muss man abwarten, was für die gesetzlich Versicherten die Umsetzung des Gesetzes bereit hält und vor allem, wohin die Daten zukünftig fließen. So stimmt es froh, dass - laut Minister Spahn - wir mal schneller sind als China.

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